Schülerinnen und Schüler der Ernst-Reuter-Schule gestalten mit umfangreichen Beiträgen die Feierlichkeiten des Volkstraiertages mit

Anläss­lich des Volks­trau­er­ta­ges leg­ten Schü­le­rin­nen und Schü­ler der Ernst-Reuter-Schule vor dem jüdi­schen Denk­mal in Groß-Umstadt beschrif­te­te Stei­ne nie­der und tru­gen pas­send dazu Zei­len aus Gedich­ten vor.

Die Welt wird nicht bedroht von den Men­schen, die böse sind, son­dern von denen, die das Böse zulas­sen. Die­sen Satz von Albert Ein­stein zitier­te die VdK-Ortsverbandsvorsitzende Syl­via Best in ihrer Anspra­che zum dies­jäh­ri­gen Volks­trau­er­tag. Zwar tra­ge man als Nach­ge­bo­re­ne kei­ne Schuld an den Ver­bre­chen der Nazis. „Aller­dings haben wir die Ver­pflich­tung und die Ver­ant­wor­tung, aus der Geschich­te zu ler­nen und uns für Frie­den und Ver­söh­nung ein­zu­set­zen.“ Die Ereig­nis­se vor ein paar Wochen in Hal­le hät­ten deut­lich gezeigt, so die VdK-Vorsitzende wei­ter, „dass der Anti­se­mi­tis­mus lei­der wie­der – oder immer noch? – eine rea­le Bedro­hung dar­stellt“.

Der Opfer bei­der Welt­krie­ge und der Gewalt­herr­schaft des Natio­nal­so­zia­lis­mus zu geden­ken und zu erin­nern stand eben­so im Vor­der­grund der Ver­an­stal­tung zum Volks­trau­er­tag am Sonn­tag, den 17.10.2019, in Umstadt wie auch das Mah­nen und Inne­hal­ten ange­sichts aktu­el­ler Ereig­nis­se. Nicht nur ein Inne­hal­ten mit dem Blick zurück näm­lich, son­dern auch um die gegen­wär­ti­gen Opfer von Gewalt in den Blick zu neh­men.

Mit umfang­rei­chen Ide­en gestal­te­ten die Schü­le­rin­nen und Schü­ler des 10. Schul­jah­res der Ernst-Reuter-Schule zusam­men mit ihren Lehr­kräf­ten Mar­ti­na Storck und Manue­la Eul­ler die Fei­er­lich­kei­ten anläss­lich des Volks­trau­er­ta­ges mit.

Immer­hin wer­den gera­de auf fünf von sie­ben Kon­ti­nen­ten krie­ge­ri­sche Kon­flik­te aus­ge­tra­gen. „Wir erin­nern uns heu­te nicht nur jener Men­schen, die wäh­rend der fins­ters­ten Abschnit­te unse­rer Geschich­te unter uns Deut­schen gelit­ten haben, son­dern auch derer, die bis heu­te unter bewaff­ne­ten Aus­ein­an­der­set­zun­gen, Ter­ror und Fol­ter lei­den und an deren Fol­gen ster­ben.“ Das sag­te Stadt­rä­tin Rena­te Filip in ihrer Anspra­che: „Sehen wir damit den Volks­trau­er­tag nicht als ver­staub­ten Gedenk­tag ewig Gest­ri­ger, son­dern als Mah­ner für den Frie­den an.“

Um zu begrei­fen, so Rena­te Filip wei­ter, dass Krieg und Gewalt­herr­schaft Leid und Zer­stö­rung, Will­kür und Fol­ter, Flucht und Ver­trei­bung bedeu­ten, müs­se man nicht in die deut­sche Geschich­te des 20. Jahr­hun­derts zurück­schau­en. „Denn wir lesen, hören und sehen es täg­lich in den Nach­rich­ten“, den­ke man zum Bei­spiel an Afgha­ni­stan, Syri­en, Liby­en, Irak, Nige­ria, den Sudan, Soma­lia, Mali.

Mit Gedich­ten und Prä­sen­ta­tio­nen gedach­ten die Schü­le­rin­nen und Schü­ler des 10. Schul­jah­res der Ernst-Reuter-Schule den Opfern von Gewalt und Krieg u. a. in der Trau­er­hal­le des Fried­ho­fes in Groß-Umstadt.

Und so, wie vie­le Deut­sche einst­mals Asyl, Auf­ent­halt und Inte­gra­ti­on erle­ben durf­ten, „soll­ten wir heu­te mensch­lich, offen und gast­freund­lich mit all jenen Men­schen umge­hen, die hier bei uns Über­le­ben, Sicher­heit, Frei­heit und Mensch­lich­keit suchen. Unzu­frie­den­heit im eige­nen Land darf kein Grund für Ras­sis­mus und Frem­den­hass sein. Wir müs­sen Abgren­zung, Ego­is­mus und Natio­na­lis­mus ent­ge­gen­tre­ten und uns ent­schlos­sen für Respekt, Mensch­lich­keit und Mit­ein­an­der ein­set­zen. Zei­gen wir, dass wir eine offe­ne und wert­schät­zen­de Gesell­schaft sind. Sei­en wir wach­sam und set­zen wir uns für das Gute ein.“

Gegen Aus­gren­zung und für Tole­ranz sprach auch der evan­ge­li­sche Pfar­rer Mar­co Glanz. „Sich die Geschich­te zu ver­ge­gen­wär­ti­gen, macht Sinn – wenn wir die dar­in ent­hal­te­nen Erfah­run­gen spre­chen und wir­ken las­sen und ent­spre­chen­de Schlüs­se für das Heu­te und Jetzt dar­aus zie­hen.“ Es begin­ne im Den­ken und in der Spra­che, in den Wor­ten denen gegen­über, die als fremd oder anders gestem­pelt wer­den. „Nach dem Anschlag von Hal­le wis­sen wir, dass dar­aus auch Taten wer­den und uns die Gewalt ganz nahe­kommt.“ Den Volks­trau­er­tag ange­mes­sen zu bege­hen, gesche­he dadurch, das Leid frü­he­rer Opfer mit dem heu­ti­ger zu ver­bin­den. Um Mut und Fan­ta­sie bat Pfar­rer Glanz in sei­nem Gebet, der Aggres­si­on ent­ge­gen­zu­wir­ken und fried­li­che Wege für die Men­schen zu fin­den.

Krieg und Frie­den

Im Unter­richt berei­te­ten die Schü­le­rin­nen und Schü­ler des 10. Schul­jah­res der Ernst-Reuter-Schule ihre Gedich­te und Prä­sen­ta­tio­nen zusam­men mit ihren Leh­re­rin­nen Mar­ti­na Storck und Manue­la Eul­ler anläss­lich des Volks­trau­er­ta­ges vor – so auch bei der Kranz­nie­der­le­gung bei den Gedenk­stei­nen der Opfer des 1. und 2. Welt­krie­ges.

Ihre eige­nen Gedan­ken zu den The­men Krieg und Frie­den hat­ten sich Schü­ler der Ernst-Reuter-Schule aus dem 10. Schul­jahr gemacht, die wesent­lich zur Pro­gramm­ge­stal­tung bei­tru­gen. Abwech­selnd tru­gen die 15- bis 17-Jährigen zunächst Gedicht­zei­len aus Inge­borg Gör­lers „Krieg und Frie­den“ vor: „Krieg ist etwas im Fern­se­hen – man kann es abschal­ten“, sag­te eine Schü­le­rin. „Krieg ist etwas, das die Alten erlebt haben – man kann’s nicht mehr hören. Krieg ist meis­tens weit weg.“ Eine ande­re Jugend­li­che dann über den Frie­den: „Frie­den ist nichts, was man mal anschal­ten kann. Frie­den ist nichts, was man Jün­ge­ren oder Älte­ren über­las­sen soll. Frie­den beginnt immer ganz nah.“

Was Krieg und Frie­den für sie bedeu­tet, hat­ten die Schü­ler auf Kar­ten geschrie­ben und tru­gen dann eini­ges davon vor. „Krieg ist Hass und Bru­ta­li­tät“. „Krieg ist etwas, das Men­schen tötet.“ „Krieg ist wie ein Mes­ser­stich, doch die­se Wun­den hei­len nicht.“ „Frie­den ist das Para­dies auf der Erde.“ „Frie­den ist Frei­heit und Gleich­be­rech­ti­gung“ und „Der Frie­den wür­de die Welt erleich­tern“, hat­te Jus­tin (15) auf­ge­schrie­ben. 

Auf einer sym­bo­li­schen Mau­er wur­den die im Unter­richt erar­bei­te­ten Äuße­run­gen anschlie­ßend in Papier­form auf­ge­hängt. Maß­geb­li­chen Anteil hier­an hat­ten natür­lich auch die Lehr­kräf­te der Ernst-Reuter-Schule Mar­ti­na Storck und Manue­la Euler. Sie haben sich zusam­men mit den Schü­lern Ide­en zur Gestal­tung des Volks­trau­er­ta­ges aus­ge­dacht.

Gekonnt und äußerst foku­siert prä­sen­tier­ten die Schü­le­rin­nen und Schü­ler des 10. Schul­jah­res der Ernst-Reuter-Schule ihre Gedich­te und Prä­sen­ta­tio­nen anläss­lich des Volks­trau­er­ta­ges.

Zu Beginn des Volks­trau­er­ta­ges hat­te man sich zur Kranz­nie­der­le­gung an der Jüdi­schen Gedenk­stät­te getrof­fen, bevor sich die Gedenk­fei­er auf dem Stadt­fried­hof und in der Trau­er­hal­le anschloss. Für den musi­ka­li­schen Rah­men sorg­ten dort der evan­ge­li­sche Posau­nen­chor Groß-Umstadt unter der Lei­tung von Chris­toph Däsch­ner sowie Männer- und Frau­en­chor des Män­ner­ge­sang­ver­eins MGV 1842 Groß-Umstadt mit ihrem Diri­gen­ten Mat­thi­as Sei­bert. Vor den Gedenk­ta­feln für die Opfer aus Umstäd­ter Fami­li­en, deren Namen im Holz ein­ge­schnitzt sind, zün­de­te Stadt­rä­tin Filip Ker­zen an und leg­ten die Ver­tre­ter der Frei­wil­li­gen Feu­er­wehr, Umstadts Wehr­füh­rer Chris­ti­an Karn und Stadt­brand­in­spek­tor Ste­phan Teich, Krän­ze nie­der. 

Drau­ßen im Frei­en gin­gen die Teil­neh­mer abschlie­ßend zum so genann­ten „Ehren­hain“, der Gedenk­stät­te für den Ers­ten Welt­krieg mit sechs Namen­s­tei­nen der Opfer aus Groß-Umstädter Fami­li­en. Dort leg­ten die Schü­ler Blu­men ab, bevor der Posau­nen­chor noch­mals zur Ver­ab­schie­dung spiel­te. „Frie­den ist, wenn man mit allen klar­kommt“, sol­che Gedan­ken von Jugend­li­chen, so ein­fach for­mu­liert, beglei­te­ten sicher­lich man­chen Besu­cher noch auf dem Heim­weg und viel­leicht auch dar­über hin­aus: „Frie­den ist, wenn man mit jedem fried­lich umgeht, auch wenn man jeman­den nicht mag.“

Text: Doro­thee Dor­schel
Bil­der: Doro­the Dor­schel und Ernst-Reuter-Schule