Schüler lieben „ihre“ Bienen / Eine Nachmittags-AG an der Ernst-Reuter-Schule für Jungimker

Mit gro­ßem Eifer bei der Sache und zu Recht stolz sind die Mit­glie­der der von Imker­be­ra­ter Ger­hard Heil (2. von links) mit betreu­ten Bienen-AG an der Ernst-Reuter-Schule: Sarah, Mat­thi­as, Ali­ca, Moritz, Jonas und Leh­rer Mar­tin Fischer (von rechts) tref­fen sich ein­mal pro Woche, um nach „ihren“ Bie­nen zu sehen. (Bild: Doro­thee Dor­schel)

(dor) Ein Bie­nen­stock mit­ten im Schul­hof? In unmit­tel­ba­rer Nähe zum Leh­rer­zim­mer brummt und summt es. Dort, wo eine Ecke fast voll­stän­dig von Büschen umge­ben ist, wohnt neu­er­dings ein Bie­nen­volk. Es gehört zu einer frei­wil­li­gen Nachmittags-AG an der Ernst-Reuter-Schule. Gera­de bei die­sen AGs für den Ganz­tags­be­reich habe noch ein natur­wis­sen­schaft­li­ches Ange­bot gefehlt, sagt der betreu­en­de Leh­rer Mar­tin Fischer.

Das The­ma Bie­nen eig­ne sich jedoch nicht allein für den Bio­lo­gie­un­ter­richt, weiß der Chemie- und Bio­leh­rer. Ein über­grei­fen­des und ver­tief­tes Ler­nen fin­de hier statt. „Es ist auch vor­stell­bar, spä­ter so etwas mal zuhau­se zu machen.“ Die Schu­le gebe hier eine Anre­gung für sinn­vol­le Frei­zeit­ge­stal­tung, Tie­re zu hal­ten und Ver­ant­wor­tung zu über­neh­men. Des­halb sind mit dem Pro­jekt Schü­ler der sieb­ten und ach­ten Klas­se ange­spro­chen. „Die Schü­ler müs­sen noch zugäng­lich sein“, erklärt Mar­tin Fischer, „aber es muss ihnen auch zuge­traut wer­den, im direk­ten Umgang mit Lebe­we­sen ver­nünf­tig zu han­deln.“

Mit Imker­be­ra­ter Ger­hard Heil aus Klein-Umstadt haben die Jun­gim­ker einen Exper­ten an ihrer Sei­te, der sie kom­pe­tent, alters­ge­recht und vor allem gedul­dig anlei­tet. Auch Leh­rer Fischer hat sich bereits im Vor­feld fort­ge­bil­det, lernt aber gemein­sam mit den fünf teil­neh­men­den Schü­lern jedes Mal Neu­es dazu. Die AG-Mitglieder sind 13 und 14 Jah­re alt und fin­den es grund­sätz­lich „inter­es­sant, mal so was zu machen“. Man­che gehen selbst­si­cher und ruhig her­an, ande­re haben noch etwas Angst. Doch die legt sich von Mal zu Mal. Jede Woche trifft man sich hier.

Mit der Theo­rie ist es oft schwie­rig. Gehört aber auch dazu“, sagt Fischer. Im Win­ter­halb­jahr, als noch kei­ne Bie­nen da waren, hat er die Schü­ler mit prak­ti­schen Din­gen bei der Stan­ge gehal­ten. So ver­rich­te­te man die für den Win­ter typi­schen Tätig­kei­ten eines Imkers: die Beu­ten (Holz­käs­ten, in wel­che die Waben­rah­men ein­ge­hängt wer­den) strei­chen, Mit­tel­wän­de ein­lö­ten, Bie­nen­pro­duk­te anschau­en und her­stel­len. „Die Schü­ler haben Lip­pen­pfle­ge­stif­te, Ker­zen und Honig­duft­sei­fen selbst gemacht und ver­kauft.“

Vor rund drei Wochen hat Imker Heil ein ers­tes Volk mit etwa 18.000 Bie­nen zur Schu­le gebracht, wo alles bes­tens vor­be­rei­tet war. „Im Mai und Juni ent­wi­ckeln sie sich rasant“, sagt er. Dass die Köni­gin nun 2000 Eier am Tag legt und 21 Tage spä­ter 2000 Bie­nen schlüp­fen, wis­sen auch die Schü­ler. Die Raps­blü­te ist vor­bei, doch im Wohn­ge­biet, das die Schu­le umgibt, ste­hen zahl­rei­che Aka­zi­en, Rubi­ni­en und Lin­den. Vie­le Pol­len­spen­der, von denen die Bie­nen gut ver­sorgt wer­den.

Moritz (14) ist Exper­te für den Smo­ker und macht sich schon mal zu schaf­fen, wäh­rend die Ande­ren ihre Imker­klei­dung über­strei­fen, hell­gel­be Jacken mit inte­grier­tem Schlei­er. Schnell mel­det sich Ali­ca (13) auf die Fra­ge, wer sich traut, ein­mal ein „Rähm­chen“ voll­be­setzt mit Bie­nen in die Hand zu neh­men. Span­nend ist es, Stück für Stück der immer schwe­rer wer­den­den Rah­men her­aus­zu­ho­len und zu begut­ach­ten. Viel Nek­tar wur­de da von den Bie­nen schon ein­ge­la­gert. „Letz­te Woche war alles noch viel lee­rer.“ 

Spaß macht es den fünf AG-Teilnehmern, „dass man sehen kann, wie sich das alles so ent­wi­ckelt“. Und Sarah (13) erklärt: „Man lernt, dass Bie­nen sehr wich­tig sind. Sonst hät­ten wir nichts zu essen. Ohne Bie­nen wür­den wir nicht über­le­ben.“

Honig ist das Bes­te über­haupt, stimmt man über­ein. Und wie das genau funk­tio­niert mit dem süßen Saft, hat Mat­thi­as (13) hier gelernt. Das fin­det er gut. Genau­so wie Jonas, der wohl einen Rekord hält beim nach dem Rech­ten schau­en: „Ich bin in jeder Pau­se hier.“ Die emsi­gen Bie­nen gera­de in die­sen Tagen zu beob­ach­ten, das macht wirk­lich Spaß. 

Dabei geht es gar nicht allein ums Imkern. Viel­mehr wird das The­ma Nach­hal­tig­keit behan­delt, die Bestäu­bungs­leis­tung oder, wie es Ali­ca aus­drückt, „ohne Bie­nen wür­de ja nichts mehr blü­hen“.

Ganz bewusst, so Leh­rer Fischer, habe man die Bie­nen nicht ver­steckt oder weit­ab vom Schul­ge­sche­hen unter­ge­bracht. „Es ist nicht stö­rend“ – das sol­len die Schü­ler am bes­ten gleich ler­nen. Ängs­te wür­den so abge­baut. Des­halb habe man auch kei­ne abschre­cken­den Warn­schil­der ange­bracht, son­dern den Bereich eher ein­la­dend gestal­tet. Abstand hal­ten, nicht direkt vor dem Flug­loch auf­hal­ten, sol­che Tipps kön­nen die Mit­glie­der der Bienen-AG selbst schon geben. So ist es kein Wun­der und ganz im Sin­ne der Orga­ni­sa­to­ren, dass bereits in den ers­ten Tagen vie­le neu­gie­ri­ge Kin­der und Jugend­li­che vor­bei­kom­men. „Das ist auch gut so“, sagt AG-Leiter Fischer. Schließ­lich sol­len die Bie­nen „ein Ange­bot für die gan­ze Schu­le sein“.

Bild und Text: Doro­thee Dor­schel